45 Minuten bis Ramallah

Hierbei gibt es noch stabile Farce vom Hintergrund des Nahost-Konflikts, die Elemente des Buddymovie mit schwarzem Humor verbindet.

Danach Böser Israeli, gute Palästinenser, oder umgekehrt diese meist anzutreffende mediale Schwarz-Weiß-Malerei hat bei Ali Samadi Ahadi keine Chance. Weder ideologische Präferenzen auch das Fingerspitzengefühl beim diffizilen politischen Thema kümmern ihn. Danach darf der aus dem Iran stammende deutsche Regisseur heilige Kühe an dem stetig Band schlachten oder noch alles und jeden durch den Kakao ziehen.

Israelis und Palästinenser kriegen ihr Fett ab, wenn Rafik, ein Palästinenser aus Ostjerusalem, der in Hamburg Teller spült, oder noch sein ungeliebter Bruder Jamal, dessen Hochzeitsfeier durch den zufälligen Tod des Vaters aus dem Takt gerät, insgesamt die Leiche über die Grenze nach Ramallah schmuggeln. Gewöhnlich dauert es von Jerusalem bis Ramallah, wo der Patriarch seine letzte Ruhestätte finden soll, einzig 45 Minuten. Nicht aber, wenn das Auto samt Leiche und Ausweis von einer blonden Russin geklaut wird, und die wilden Autoschieber nicht mit sich spaßen lassen. Ahadi wagt sich weit vor, wenn er sich wild zielstrebigen zwischen Klamotte, Komödie und Klamauk durchlaviert. Das zwiespältige Duo erträgt einiges bei dem Kurztrip, der sich zu der dreitägigen Odyssee ausweitet.

Israelis schlagen und schikanieren sie, islamistische Terroristen wollen sie zuerst als Verräter töten, danach als Selbstmordattentäter in das Feindesland zurückschicken. Am Ende resümiert Dieses Land ist ein Irrenhaus Rafik. Dazu trifft ins Schwarze bei der Ansammlung von Alltagsabsurditäten oder noch menschlichen Skurrilitäten.

Wie die beiden armen Tröpfe unter der Fuchtel der Dschihadisten ein Märtyrer-Video insgesamt stammeln, das strahlt bereits den Charme einer verderblichen Parodie aus. Obwohl Sie sich an den Nahost-Konflikt als Komödie gewöhnen muss oder noch von den zahllosen Nebenfiguren nicht alle Interesse wecken, gibt dieses überdrehte Roadmovie mit seiner handfest überzeichneten Wirklichkeit eine Vorahnung vor dem voll gewöhnlichen Wahnsinn in Israel oder noch den palästinensischen Autonomiegebieten. Es kuriose Kinobömbchen sollte zünden. Obwohl Hardliner auf beiden Seiten oder noch die Gralshüter eines politischen Purismus natürlich leise grummeln, könnte das Publikum aber absolut beim bissig-bösen Trip laut lachen.